www.qualzucht-hund.de
Osteopathie
Der   Körper   des   Patienten   wird   als   eine   Einheit   gesehen,   vergleichbar   mit   einer   Uhr:   Fällt
ein   Zahnrad   aus,   ist   das   gesamte   System   gestört.   Daher   ist   diese   ganzheitliche   Therapie
bei   diversen   Erkrankungen   von   Hunden,   Katzen   und   anderen   Kleintieren   sinnvoll,   nicht
nur   bei   Problemen   des   Bewegungsapparates.   Eine   Theorie   der   Osteopathie   besagt:   Wo
die      Eigenbewegung      eines      Organs      oder      Körpersystems      gestört      ist      (Blockade,
Spannungsdifferenzen),        macht        sich        Krankheit        breit.        Dies        betrifft        den
Bewegungsapparat,   innere   Organe,   Blutgefäße,   sämtliche   Stoffwechselvorgänge,   sowie
das   Nervensystem.   Dabei   wird   jeder   Patient   individuell   gesehen   und   behandelt.   Das   Ziel
der    Osteopathie    ist    es    jedoch    nicht,    ein    schulmedizinisches    Symptom    zu    beheben,
sondern   den   Ursprung   der   Läsion   aufzuspüren   und   die   Regulationsmechanismen   zur
Selbstheilung   anzuregen.   Es   wird   beim   Patienten   die   Fähigkeit   ausgelöst,   ein   für   ihn
gesundes    Gleichgewicht    herzustellen.    Heilen    ist    dabei    nicht    nur    das    Fehlen    von
Symptomen.
Es   wird   durch   sehr   sanften   Druck   Einfluß   auf   veränderte   Spannungsverhältnisse   und
Ungleichgewichte   im   Körper   genommen,   um   die   Regulationsprozesse   zu   mobilisieren.
Dabei    arbeite    ich    vorallem    über    die    sogenannten    Faszien.    Auch    die    Hirn-    und
Rückenmarkshäute   werden   zum   Fasziengewebe   gezählt   und   lassen   sich   über   Cranio-
Sakrale   Techniken   behandeln.   Das   Cranio-Sakrale   System   gehört   untrennbar   zu   den   3
Säulen   der   Osteopathie   und   ist   eng   mit   den   anderen   Systemen   verbunden   (parietale
Osteopathie   =   Bewegungsapparat;   viszerale   Osteopathie   =   innere   Organe).   Das   heißt
also,   dass   sich   alle   3   Bereiche   gegenseitig   eng   beeinflussen   und   Probleme   sich   auch   von
einem ins andere System verketten können.
Faszien   sind   außerdem   ein   bindegewebiges   Netzwerk,   welches   den   gesamten   Körper
durchdringt.   Sie   umhüllen   Muskeln   und   innere   Organe,   damit   diese   bei   körperlicher
Bewegung,    sowie    bei    der    Atmung    problemlos    aneinander    vorbeigleiten    können.    Sie
dienen   als   deren   Puffer   zum   Schutz   vor   Reibung   und   Verletzungen.   Außerdem   sind   sie
wichtig     für     den     Transport     von     Blut     und     Lymphe     und     damit     auch     für     ein
funktionierendes Abwehrsystem, sowie den Stoffwechsel.
Zusätzlich   dienen   Faszien   der   Befestigung   von   Muskeln   am   Knochen   (Sehnen)   oder   der
Aufhängung    und    Abgrenzung    der    inneren    Organe.    Sie    stehen    untereinander    in
Verbindung   bzw.   sind   sie   zum   Teil   miteinander   verwoben.   Das   heißt,   sie   übertragen
auch   Fehlspannungen    von   einer   Körperregion   in   eine   andere:   Wirbelsäulen-Probleme
können z. B. Störungen der inneren Organe verursachen und umgekehrt.
Auch   kann   sich   eine   Problematik   im   Kreuzbein-Bereich   (lliosacral-Gelenk)   in   Problemen
von   Schädel   und   Halswirbelsäule   widerspiegeln   und   Fehlhaltungen   verursachen.   Auch
die   Gelenkkapseln   und   Bänder   werden,   osteopathisch   gesehen,   zu   den   Faszien   gezählt.
Sie   können   z.   B.   verkleben   (auch   nach   Operationen)   und   ihre   Aufgabe   dann   nicht   mehr
richtig   erfüllen   und   sogar   Schmerzen   verursachen.   Häufig   sind   Faszien   auch   der   Grund
für   Schmerzsymptome,   für   die   augenscheinlich   keine   Ursache   gefunden   wird,    denn
man   kann   sie   röntgenologisch   nicht   darstellen   und   sie   finden   in   der   Schulmedizin   leider
zumeist   wenig   Beachtung.   Dabei   wurde   bereits   nachgewiesen,   dass   sich   Faszien   bei
Stress   aktiv   zusammenziehen   und   verspannen   bzw.   verkleben.   Das   bedeutet,   dass   Stress
durchaus Verspannungen und somit Schmerzen verursachen kann - auch beim Tier!
Schlechte   Ernährung    (minderwertiges   Fertigfutter,   zu   viele   Kohlenhydrate)   begünstigt
diesen     Prozess,     da     zu     viele     Kohlenhydrate     im     Futter     ph-Wert-Veränderungen
verursachen,    die    ein    Verkleben    der    Faszien    begünstigen.    Durch    die    so    entstandene
Kompression   wird   der   Blut-   und   Lymphfluß   behindert,   Muskulatur   und   Nervengewebe
in   Mitleidenschaft   gezogen   und   Symptome   entstehen   nach   und   nach   -   denn   der   Körper
versucht nun, zu kompensieren. Der Kreislauf beginnt.
Bleiben     diese     Fehlspannungen      unentdeckt     und     somit     unbehandelt,     können     im
weiteren    Verlauf    -    der    mitunter    Jahre    dauern    kann    -    schwerere    Erkrankungsbilder
entstehen:   Arthrosen,   Bandscheibenvorfälle,   Krankheiten   der   inneren   Organe   sind   nur
ein   paar   Beispiele.   Auffälligkeiten,   die   bereits   seit   dem   Welpenalter   vorliegen,   ständiges
Pfotenknabbern      ohne      parasitäre      Auslöser,      Husten      oder      Atemprobleme      ohne
schulmedizinisch      nachweisbare      Ursache,      Harntröpfeln,      Verrichten      des      großen
Geschäftes    in    Etappen,    sowie    regelmäßige    Verdauungsbeschwerden,    hinter    denen
vielleicht   sogar   Nahrungsmittelunverträglichkeiten   vermutet   werden,   können   ebenfalls
Hinweise   auf   ein   Ungleichgewicht   im   Fasziensystem   sein.   Diese   Liste   ließe   sich   noch
lange   fortsetzen,   da   sich   fasziale   Veränderungen   auf   vielfältigste   Art   und   Weise   im   und
am   Körper   zeigen   können,   nicht   nur   an   Problemen   des   Bewegungsapparates   oder   der
inneren   Organe.   Wird   die   eigentliche   Störung   behoben   und   die   Eigenbeweglichkeit   der
Gewebestrukturen    wiederhergestellt,    so    lösen    sich    auch    die    Kompensationen    (wie
Schonhaltungen) auf.
Beispiel:   Ist   der   Rücken   stark   aufgekrümmt   oder   berührungsempfindlich   durch   (bisher
unerkannte)    Schmerzen    im    Verdauungstrakt,    ist    das    eigentliche    Problem    nicht    die
Wirbelsäule   und   Behandlungen   bringen   hier   nicht   den   gewünschten   Erfolg.   Werden
dagegen   die   Probleme   im   Organ-Bereich   erfolgreich   aufgespürt   und   behandelt,   wird
sich   auch   die   Problematik   des   Rückens   bessern.   Typisch   bei   solchen   (unentdeckten)
organischen   Störungen   ist   immer,   dass   die    Rückenprobleme   oder   Lahmheiten   nach
physiotherapeutischen    Maßnahmen    oder    "Einrenken"    der    Wirbelsäule    zeitnah
zurückkehren.   In   der   Physiotherapie   stößt   man   hier   nun   langsam   an   seine   Grenzen   -
die Osteopathie hingegen bietet hier großes Potential.
Das   Zwerchfell    hat   in   der   Osteopathie   eine   zentrale   Stellung:   Erst   einmal   handelt   es   sich
hierbei        um        den        größten        und        wichtigsten        Atem-Musk el.
Funktionseinschränkungen       führen       hier       nicht       zwangsläufig       zu
Problemen      mit      der      Atmung,      es      können      auch      Störungen      von
Bewegungs-    und    Organfunktionen    auftreten,    die    man    gar    nicht    mit
dem    Zwerchfell    in    Verbindung    bringt!    Es    trennt    die    Brust-    von    der
Bauchhöhle   und   gewährt   dabei   wichtigen   Strukturen   Durchlass:   Große
Blutgefäße,    wichtige    Nerven,    die    Speiseröhre,    sowie    Lymphgefäße.
Auch   ist   es   mit   der   Leber   verwachsen   und   hat   durch   Bänder   direkte
Verbindung zu Magen und Eierstöcken.
Nun   kann   man   sich   sicher   gut   vorstellen,   wie   vielfältig   die   Probleme   sein   können,   wenn
das    Zwerchfell    eingeschränkt    ist.    Es    kann    eine    Kompression    der    hindurchtretenden
Strukturen   erfolgen,   so   dass   beispielsweise   der   Blut-   und   Lymphfluß   gestört   wird.   Die
Ver-   und   Entsorgung   des   Hinterkörpers   mit   Nähr-   und   Abfallstoffen   funktioniert   so   nicht
mehr    einwandfrei.    Hinweise    auf    Funktionsstörungen    des    Zwerchfells    können    daher
auch   Probleme   sein,   die   sich   auffälligerweise   nur   auf   die   hinteren   Regionen   oder   Organe
beziehen.   Bei   vielen   Hunden   erscheint   zusätzlich   die   Hintergliedmaße   "wie   angeklebt"
oder     "als     ob     sie     nicht     zum     restlichen     Körper     dazugehört".     Wenn     Gelenk-     und
Wirbelsäulenprobleme,   wie   z.   B.   eine   HD,   Arthrosen,   Bandscheibenvorfälle   und   andere
neurologische    Erkrankungen    ausgeschlossen    wurden,    sollte    man    sein    Augenmerk
einmal auf das Zwerchfell richten.
Auch    bei    Kastrationen    von    weiblichen    Tieren    werden    Bänder    durchtrennt,    welche
Eierstöcke   und   Zwerchfell   verbinden   und   für   die   Aufhängung   der   Blase   verantwortlich
sind.   Es   entstehen   innere   Vernarbungen   und   Ungleichgewichte,   die   sich   negativ   auf
Zwerchfell      und      Blase      (Inkontinenz)      auswirken      können.      Der      Osteopath      kann
Funktionsstörungen und Verklebungen dieser Bereiche aufspüren und lösen.
Da   die   osteopathischen   Techniken   im   Gegensatz   zur   Physiotherapie   mit   minimalstem
Druck    und    leichten,    teilweise    kaum    sichtbaren    Bewegungen    ausgeführt    werden,    ist
diese   Form   der   Behandlung   sehr   gut   geeignet   für   ängstliche   Tiere   oder   solche,   die   sich
ungern   (von   Fremden)   anfassen   lassen.   Auch   bei   stärkeren   Schmerzen   ist   diese   sanfte
Methode   bestens   geeignet:   Eine   osteopathische   Untersuchung   und   Behandlung   sucht
nicht   gezielt   die   Schmerzen   als   Bestätigung,   sondern   die   Fehlspannungen   im   Gewebe.
Diese   können   weit   entfernt   vom   augenscheinlichen   Problem   liegen   und   zudem   bereits
dann   auftreten,   bevor   überhaupt   Schmerzen   entstehen.   Bisher   hat   sich   daher   fast   jeder
noch   so   scheue   Patient   nach   den   ersten   Griffen   entspannt   und   nach   einigen   weiteren
sind     die     meisten     bereits     am     Einschlummern.     Sehr     interessant     ist     in     diesem
Zusammenhang,     dass     Faszien     außerdem     viele     Rezeptoren     besitzen,     die     nur     auf
minimalen   Druck   reagieren.   Daher   werden   diese   bei   "normalen   physiotherapeutischen
Behandlungen",    in    denen    der    Patient    fester    angefasst    wird,    gar    nicht    erreicht    bzw.
angesprochen.
Während   einer   osteopathischen   Therapie   kann   es   durchaus   vorkommen,   dass   nach   dem
Lösen   der   ersten   Läsion   plötzlich   ganz   andere   behandlungsbedürftige   Probleme   ans
Tageslicht   kommen,   die   zuvor   unter   der   Oberfläche   geschlummert   haben   ("Zwiebel-
Prinzip").   Häufig   handelt   es   sich   hierbei   um   ältere   Traumen,   mitunter   sogar   aus   der
Welpenzeit. Wann ist Osteopathie sinnvoll?